Daytrading – Kann man als Daytrader mit dem kurzfristigen Börsenhandel Geld verdienen?

Lohnt sich Daytrading und kann man damit an der Börse nachhaltig Geld verdienen?

Die Volatilität an den Finanzmärkten hat bei einigen Privatanlegern wieder das Interesse am Daytrading geweckt. Die Vorstellung ist verlockend, von zuhause aus mit wenigen Klicks den Lebensunterhalt verdienen. Doch ist das wirklich so einfach? Kann jeder mit dem Daytrading nachhaltig Geld verdienen? Erfolg und Scheitern liegen beim Daytrading nahe bei einander. Es gibt viele Hürden, die genommen werden müssen, um ein erfolgreicher Daytrader zu werden.

Daytrading / Daytrader
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Profitables Daytrading erfordert nicht nur Disziplin, Know-how, und fundierte Handelserfahrung an den Finanzmärkten, sondern auch emotionale Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Durchhaltevermögen. An der Börse werden viele Fehler gemacht, und es gilt daraus zu lernen. Trading ist ein stetiger Lernprozesses. Es gilt das eigene Verhalten zu reflektieren und Schwächen zu erkennen. Doch was ist Daytrading genau und lohnt sich das?

Was ist Daytrading?

Daytrading / Candlestick Chart
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Unter Daytrading versteht man den aktiven Börsenhandel, bei dem man innerhalb eines Tages Finanzinstrumente kauft und wieder verkauft. Gehandelt werden Aktien, Kryptowährungen, Optionen oder auch Futures. Bei Aktien fokussieren sich Daytrader auf sehr volatile Aktien oder auch Pennystocks. Das Ziel dabei ist, Kursschwankungen während des Tages auszunutzen um damit Geld zu verdienen. Einige Daytrader sind sehr erfolgreich und verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Die Hürden sind jedoch groß und Daytrading ist bei weitem nicht für jeden geeignet.

Kann man mit Daytrading Geld verdienen?

Trading - Kaufen / Verkaufen
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Für die einen ist Daytrading Glücksspiel, für die anderen die Königsdisziplin des Tradings. Als Glücksspiel würde ich Daytrading nicht bezeichnen. Diversen Studien (beispielsweise: Studie 1, Studie 2) zufolge verlieren jedoch bis zu 98% der privaten Daytrader langfristig Geld. 2% der Daytrader sind demnach nachhaltig erfolgreich. Das hat allerdings weniger mit Glück, statt mit eiserner Disziplin und einer soliden Trading-Strategie zu tun.

Daytrading ist die mit Abstand schwierigste Disziplin um an der Börse nachhaltig Geld zu verdienen. Das liegt nicht nur daran, dass kurzfristige Kursbewegungen an der Börse oftmals nicht nachvollziehbar, geschweige denn prognostizierbar sind, sondern auch daran, dass Daytrader zudem mit großen institutionellen Adressen und dem Hochfrequenzhandel konkurrieren. Die Gründe warum Daytrader scheitern sind vielfältig:

  • Fehlende Fachkenntnisse und mangelnde Tradingerfahrung
  • Falsche Erwartungshaltung (Jagd nach dem „schnellen Geld“)
  • Trading nach subjektiven / emotionalen Kriterien, statt objektiv zu handeln
  • Keine eiserne Disziplin beim Risiko- und Moneymanagement
  • Fehlendes Durchhaltevermögen

Was macht Daytrading so schwierig?

Trader / Schreibtisch
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Daytrading erfordert extrem viel Erfahrung und Know-how. Erfolgreiche Daytrader verfügen oftmals über ein großes Netzwerk in der Finanzbranche, nicht zuletzt, da sie manchmal vorher selbst als Trader oder Investment Banker gearbeitet haben. Für Privatanleger gibt es viele Hürden um mit dem Daytrading nachhaltig Geld zu verdienen. Das beginnt bereits bei der Wahl des Brokers. Gängige Banken und Broker sind oftmals nicht für professionelles Daytrading geeignet. Daytrader benötigen einen Broker mit extrem günstigen Gebühren und den passenden Tools.

Die größte Herausforderung ist jedoch, dass private Daytrader es an der Börse mit Profis zu tun haben. Professionelle Händler in den Handelsräumen bei Banken und Brokerhäusern auf der ganzen Welt konkurrieren um die besten Ausführungen für die Firma und deren Kunden. Um dies zu erreichen, haben die Händler Zugang zu modernsten Technologien und extrem schnellen Datenleitungen. Das geht soweit, dass manche Marktteilnehmer ihren Sitz direkt neben einer Börse wählen, um die Verzögerung bei der Datenübertragung so gering wie möglich zu halten.

Broker / Tradingdesk
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Als privater Daytrader hat man von Anfang an einen Wettbewerbsnachteil. Manche Broker verkaufen den Orderflow zudem an professionelle Marktteilnehmer weiter. Diese haben so einen weiteren Wettbewerbsvorteil gegenüber Privatanlegern. Als privater Daytrader ist es so kaum mehr möglich kurzfristige Kursschwankungen auszunutzen. Der algorithmische Handel bzw. der Hochfrequenzhandel sorgt zudem dafür, dass kurzfristige Schwankungen teils willkürlich auftreten und kaum mehr nachzuvollziehen sind. Das alles passiert innerhalb weniger Sekunden.

Privatanleger sind oftmals zudem anfälliger für emotionale und psychologische Einflussfaktoren, da diese Trader mit eigenem Geld handeln. Professionelle Marktteilnehmer handeln in der Regel nicht nur mit dem Geld deren Kunden, bzw. der Bank, sondern verfügen zudem über ausgereifte Handelsstrategien und striktes Risikomanagement. Der steuerliche Aspekt darf beim Daytrading auch nicht vernachlässigt werden. Durch die vielen realisierten Trades, hat man als Daytrader in der Regel einen steuerlichen Nachteil gegenüber langfristig orientiertem Buy & Hold.

Voraussetzungen um als Daytrader erfolgreich zu sein

Trader / Erfolg
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Daytrading ist keine Tätigkeit, die man mal so eben nebenbei betreiben kann. Um als Daytrader erfolgreich zu sein, benötigt man neben dem entsprechenden Startkapital nicht nur das passende Mindset und emotionale Stabilität, sondern auch eine professionelle Herangehensweise. Daytrading ist kein Hobby, sondern ein knallhartes Business, die dem Trader alles abverlangt. Möchte man trotz der widrigen Umstände eine Laufbahn als Daytrader einschlagen, so gibt es einige Grundvoraussetzungen:

Struktur – Möchte man als Daytrader erfolgreich sein, so sind eine strukturierte Arbeitsweise und ein fester Tagesablauf das A und O. Hierzu sollte man sich einen Tagesplan erstellen und klar definieren, wann mit dem Trading begonnen wird und wann die Tradingzeiten enden. Der Plan sollte sich an den Handelszeiten der jeweiligen Börsen, als auch an den Zeiten für das eigene Research und des Marktscreenings orientieren. Wie bei Piloten in der Luftfahrt, können auch für Daytrader Checklisten für eine strukturierte Arbeitsweise sehr nützlich sein.

Tradingstrategie – Jedes Unternehmen braucht einen Businessplan. Beim Daytrading ist das nicht anders, nur braucht man hier eine funktionierende Tradingstrategie. Dazu gehört ein Tradingplan, der die Methoden, Regeln und Strategien umfasst, wie das Daytrading durchgeführt werden soll. Um ein erfolgreicher Daytrader zu werden, muss man Regeln für Risikomanagement, Handelspsychologie sowie Handelsmuster und -strategien klar definieren und sich strikt daran halten. Grundvoraussetzung dafür sind entsprechende Fachkenntnisse, die es sich anzueignen gilt.

Trading Journal
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Trading Journal – Jeder Daytrader sollte zwingend ein Trading Journal führen. Dabei handelt es sich um Aufzeichnungen der jeweiligen Trades, mit Begründungen warum die Trades eingegangen wurden, deren Ablauf und das jeweilige Handelsergebnis. So kann die Profitabilität des Daytradings beurteilt und die eigene Strategie bei Bedarf verbessert werden. Ein Trading Journal gibt auch Aufschluss über den durchschnittlichen Gewinn / Verlust pro Trade, die Erfolgsquote (Hit Ratio), als auch über das jeweilige Chance-Risiko-Verhältnis (CRV).

Tradingkosten – Orderprovisionen, als auch andere Gebühren des jeweiligen Brokers, verringern das Handelsergebnis. Als Daytrader gilt es daher die Tradingkosten so gering wie möglich zu halten. Dabei sollten auch etwaige Marginkosten oder auch Gebühren für Tradingtools, Newsfeeds, Real Time Kursdaten sowie Kosten für Tradingsoftware und Handelsplattformen berücksichtigt werden. Je nachdem wie man das Daytrading betreibt, lassen sich einiger dieser Kosten ggf. steuerlich berücksichtigen.

Alternativen zum Daytrading

Geldanlage / Aktien
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Jeder Mensch ist natürlich seines eigenen Glückes Schmied. Man muss als Privatanleger selbst entscheiden, was man am sinnvollsten mit dem eigenen Geld anstellt und ob man für das Daytrading geeignet ist. Ich persönlich würde auf jeden Fall ausdrücklich vom Daytrading abraten, insbesondere in der heutigen Zeit, in denen die Finanzmärkte in sekundenschnelle von Algorithmen und High Frequency Trading (HFT) getrieben werden.

Eine gute Alternative zum Daytrading, könnte beispielsweise das Swing Trading sein. Während Daytrader innerhalb von Minuten oder Stunden aus einem Trade ein- und aussteigen, erstrecken sich die Trades beim Swing Trading in der Regel über Tage, Wochen oder gar Monate. Dies eliminiert nicht nur die Nachteile des kurzfristigen Handels an der Börse, wie hohe Tradingkosten, ein ungünstiges Konkurrenzumfeld und unkalkulierbare Marktbewegungen, sondern Swing Trading kann für den Trader auch wesentlich entspannter und kalkulierbarer sein.

Wer an der Börse langfristig Geld verdienen möchte, der sollte sich meiner Meinung nach jedoch grundsätzlich die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller, effektiver und vor allem entspannter ist, langfristig in zukunftssichere Unternehmen mit stabilen Wachstumsraten zu investieren. Das macht nicht nur Spaß, sondern im Rahmen einer Buy & Hold Strategie ist es auch nicht erforderlich 8–10 Stunden am Tag in einen Monitor zu starren. Stattdessen kann man sich auf die schönen Seiten des Lebens fokussieren, was meines Erachtens deutlich erstrebenswerter ist.

Fazit: Lohnt sich Daytrading an der Börse?

Die Vorstellung als Daytrader von zuhause aus flexibel und ohne sonstige Verpflichtungen Geld zu verdienen, ist sicherlich reizvoll. Anbieter von Daytrading-Kursen und „Gurus“ im Internet propagieren Daytrading als ultimativen Lifestyle. Doch die Realität sieht in den meisten Fällen leider anders aus. Nur wenige Daytrader schaffen es, mit dem Daytrading nachhaltig erfolgreich zu sein, und bis zu 98% der Daytrader verlieren langfristig Geld. Das liegt nicht nur an den persönlichen Voraussetzungen, sondern auch am ungünstigen Konkurrenzumfeld an den Finanzmärkten.

Wer an der Börse nachhaltig Geld verdienen möchte, der wäre unter normalen Umständen besser damit beraten, zumindest längerfristige Trends im Rahmen einer Swing Trading Strategie zu nutzen. Im Gegensatz zum aktiven Trading, verspricht die langfristige Aktienanlage in Form einer Buy & Hold Strategie jedoch nachweislich Erfolg, vorausgesetzt man hat als Privatanleger einen entsprechend langen Zeithorizont von mindestens 5-10 Jahren und ein breit diversifiziertes Aktienportfolio mit soliden Aktien aufgebaut.

Über Michael Hebenstreit
Michael ist Investment-Experte, digitaler Unternehmer und ehemaliger Börsenhändler mit über 22 Jahren Investment-Erfahrung sowie langjähriger Erfahrung im professionellen Aktienhandel. Auf InvestOpen teilt er seine persönlichen Erfahrungen als Unternehmer, seine Anlagestrategie und Investmentideen.

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