Corona-Pandemie und Aktien – Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den Aktienmarkt?

Lohnt es sich die Turbulenzen an den Märkten zu nutzen und in der Coronakrise Aktien zu kaufen?

Bevor die Corona-Pandemie die Aktienmärkte erfasst hat, haben die Börsen weltweit einen massiven Bullenmarkt erlebt. Aktionäre befanden sich über Jahre in Feierlaune. Da ist es ganz normal, dass einige Anleger bereits wieder an einen Einstieg denken, wenn Aktienkurse aufgrund der Coronakrise purzeln. Doch ist die Zeit während der Corona-Pandemie eine gute Gelegenheit um Aktien zu kaufen? Zumindest historisch betrachtet ist dies der Fall.

Aktienmarkt / Corona-Pandemie
Bildquelle: Lightspring / Shutterstock.com

Grundsätzlich zeigt die Historie deutlich, dass Krisen, Börsencrashs und Rezessionen in der Vergangenheit gute Einstiegsgelegenheiten an der Börse waren. Nicht umsonst gibt es das bekannte Zitat von Baron Rothschild: „Buy when there is blood in the streets“. Allerdings zu versuchen, während eines Crashs den Tiefpunkt am Aktienmarkt zu erwischen, kann sich als Anlagestrategie recht schwierig gestalten. Doch sollte man jetzt trotzdem Aktien kaufen?

Krisen als Einstiegsgelegenheit an der Börse

Krisen am Aktienmarkt / Dow Jones Industrial Average
Krisen am Aktienmarkt / DJIA von 1896 – 2016 – Quelle: Virtueofselfishinvesting.com

Aktienkurse steigen langfristig, trotz aller Krisen, Korrekturen und Börsencrashs. Egal welche Krise man aus der Vergangenheit betrachtet, wer während und insbesondere am Höchstpunkt einer Krise in Aktien investiert hat, der hat langfristig sehr gute Renditen am Aktienmarkt erzielen können. Das hat auch die Investment-Legende Warren Buffet erkannt. Er gibt daher den Ratschlag: „Be fearful when others are greedy, and greedy when others are fearful“.

Doch warum ist das so? Warum überstehen Aktien die großen Krisen der Menschheit? Wer in Aktien investiert, der erwirbt Anteile an Unternehmen. Solide Unternehmen entwickeln sich langfristig weiter, erschließen neue Märkte, schaffen Innovation und generieren einen Mehrwert für die Aktionäre. So hat beispielsweise die Siemens AG zwei Weltkriege überlebt. Das kann man von manchen Staaten, Regierungen oder Währungen nicht unbedingt behaupten.

Unternehmen besitzen in der Regel zahlreiche Assets wie beispielsweise Immobilien, geistiges Eigentum, Warenbestände und Produktionsanlagen. Wer eine Aktie kauft, der erwirbt also keinen Lottoschein, sondern einen tatsächlichen Wert. Zudem sorgt die Inflation dafür, dass Aktien, wie andere Sachwerte auch, langfristig im Preis steigen. Vorausgesetzt die Geschäftsmodelle der jeweiligen Unternehmen sind intakt. Entscheidend ist jedoch, dass man ein Aktienportfolio breit diversifiziert und einen Anlagehorizont von mindestens 5–10 Jahren mitbringt.

Wann sollte man während eines Börsencrashs kaufen?

Fallende Aktienkurse / Wann Aktien Kaufen?
Bildquelle: FOTOGRIN / Shutterstock.com

Obwohl allgemein bekannt ist, dass Turbulenzen an den Börsen gute Einstiegsgelegenheiten sein können, so ist Market-Timing in den meisten Fällen allerdings leichter gesagt als getan. Seit dem Tiefpunkt an den Finanzmärkten im März 2020, haben sich die Kurse an den Börsen weltweit bereits in kurzer Zeit relativ stark erholt. Das dürfte den einen oder anderen Untergangspropheten oder Short-Seller auf dem falschen Fuß erwischt haben.

Vorausgesetzt man kauft als Anleger Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau, so ist es in der Regel besser, während eines Börsencrashs Käufe in mehrere Tranchen aufzuteilen und so gestaffelt in den Markt einzusteigen, statt zu versuchen, den Tiefpunkt zu erwischen. Die Staffelung der Käufe könnte entweder prozentual erfolgen, je nachdem wie stark der Markt gefallen ist, oder sich je nach Volatilität an technischen Unterstützungsmarken auf Basis einer Chartanalyse orientieren. Die Anleger, die so im März 2020 an der Börse zugekauft haben, können sich jetzt über einen angenehmen Risikopuffer freuen, falls es an den Märkten nochmals abwärts gehen sollte.

Warum steigen Aktien mitten in der Corona-Pandemie wieder an?

Aktienmarkt steigt trotz Corona-Pandemie
Bildquelle: ESB Professional / Shutterstock.com

Aktuell steigen die weltweiten Aktienmärkte wieder stark an, obwohl die Fundamentaldaten der Staaten und Unternehmen eher für das Gegenteil sprechen würden. Es ist wichtig zu verstehen, dass an der Börse die Zukunft, nicht die Vergangenheit gehandelt wird. Aktuell treibt die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung die Kurse.

Marktteilnehmer haben die Erwartung, dass die Corona-Pandemie den Höhepunkt erreicht hat und auch in naher Zukunft ein Medikament bzw. eine Impfung gegen das Coronavirus verfügbar sein wird. Dazu kommt, dass zahlreiche Volkswirtschaften weltweit die getroffenen Maßnahmen lockern. Das sorgt teilweise für eine wirtschaftliche Belebung, die ebenfalls die Kurse treibt. Dies animiert Anleger, die mit Aktien Geld verdienen wollen.

Geldscheine / Coronavirus / Masken
Bildquelle: Blue Planet Studio / Shutterstock.com

Fiskalpolitische Maßnahmen, sowie die Geldschwemme der Zentralbanken, haben bisher größere Pleitewellen bei Unternehmen verhindert. Unterm Strich veranlasst die aktuelle Situation Anleger dazu, Aktien zu kaufen. Dabei spielt auch die Psychologie eine große Rolle. FOMO (Fear Of Missing Out) ist aktuell an der Börse stark ausgeprägt und einige Marktteilnehmer haben die Befürchtung, den Anschluss an eine starke Markterholung zu verpassen, was die Kurse weiter treibt. In Zeiten von Niedrigzinspolitik und einer massiven Liquiditätsschwemme sind Aktien alternativlos.

Die aktuelle Erholung an der Börse steht und fällt mit dem weiteren Verlauf, und vor allem der Dauer, der Corona-Pandemie. Sollte es zu neuen Infektionswellen kommen, die Lockdowns erforderlich machen, ist die Gefahr für neue Kurseinbrüche an der Börse groß. Auch neue Tiefstkurse wären dann nicht ausgeschlossen. Im Falle von darauf folgenden Pleitewellen (Tourismus, Luftfahrt, Gastronomie, etc.) besteht zudem die Gefahr einer ausgeprägten Systemkrise, was wiederum die Zentralbanken mit allen Mitteln versuchen werden zu verhindern.

Corona-Pandemie ist nicht vorbei, doch Börsen verhalten sich NICHT immer rational

Schwankungen am Aktienmarkt
Bildquelle: Sittipong Phokawattana / Shutterstock.com

Obwohl der starke Anstieg an den internationalen Aktienmärkten seit einigen Monaten irrational erscheinen mag, so wäre es relativ riskant sich gegen den Markt zu stellen. Insbesondere aufgrund der massiven Einflussnahme der Zentralbanken weltweit. Dazu passt auch sehr gut ein Zitat des bekannten Ökonomen John Maynard Keynes: „Markets can remain irrational longer than you can remain solvent“. Ob und wie stark es an den Börsen nochmals abwärts gehen wird, hängt selbstverständlich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.

In vielen Ländern gab es in den letzten Tagen weitere Lockerungen. Damit steigt die Gefahr für neue Infektionswellen. Falls es zu erneuten Infektionswellen kommen sollte, besteht die Gefahr, dass neue Tiefs am Markt markiert werden. Insbesondere da der realwirtschaftliche Schaden bereits jetzt enorm ist. Inwiefern Zentralbanken, sowie Regierungen, mit Liquidität, Rettungspaketen und Fiskalpolitik gegensteuern können, wird man sehen. Sollte es zu größeren Pleitewellen kommen, und somit zu erhöhter Arbeitslosigkeit, mit allen damit verbundenen Folgen für die Wirtschaft, das Finanzsystem, sowie der Gesellschaft, dann wird die Börse davon nicht verschont bleiben.

Wie in jeder Krise gilt jedoch, es gibt auch während der Coronakrise Branchen und Aktien von Unternehmen, die sich relativ gut halten oder sogar zulegen können. Während der Coronavirus-Rezession haben sich beispielsweise defensive Aktien aus der Gesundheits- und Pharmabranche, Nahrungsmittelindustrie sowie Technologietitel gut behaupten können. Es ist wahrscheinlich, dass sich dieser Trend fortsetzen wird, was durchaus interessante Anlagemöglichkeiten schafft. Es kann sich daher lohnen wachsam zu bleiben und die Chancen am Markt zu nutzen.

Über Michael Hebenstreit
Michael ist Investment-Experte, digitaler Unternehmer und ehemaliger Börsenhändler mit über 22 Jahren Investment-Erfahrung sowie langjähriger Erfahrung im professionellen Aktienhandel. Auf InvestOpen teilt er seine persönlichen Erfahrungen als Unternehmer, seine Anlagestrategie und Investmentideen.

Hinterlassen Sie den ersten Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*