Beruf Börsenmakler – Erfahrungsbericht eines Börsenhändlers im institutionellen Aktienhandel

Informationen über den Beruf Börsenmakler und die Tätigkeit als Aktienhändler an der Börse

In der Vergangenheit habe ich insgesamt rund 7 Jahre als Börsenmakler / Börsenhändler bei verschiedenen Banken und Wertpapierhandelshäusern gearbeitet, sowohl als Aktienhändler im institutionellen Aktienhandel als auch als Wertpapierhändler im Retail-Trading. Während meiner aktiven Zeit als Aktienhändler habe ich die Börsenhändlerprüfung für den Handel auf Xetra, FWB (Börse Frankfurt und andere deutsche Parkettbörsen) als auch EUREX (Deutsche Terminbörse) absolviert und somit die entsprechende Börsenhändlerzulassung erworben.

Beruf Börsenmakler
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In diesem Beitrag möchte ich einige meiner Erfahrungen teilen und insbesondere häufige Fragen in Bezug auf den Beruf Börsenmakler beantworten. Dabei geht es sowohl um die Ausbildung zum Börsenhändler, als auch um das tägliche Aufgabenspektrum eines Aktienhändlers bei einer Bank / einem Brokerhaus, sowie um die Zukunft des Börsenmaklers als Berufsbild. Ich möchte insbesondere Einsteigern in der Finanzbranche bei der Berufswahl helfen.

Wie wird man Börsenmakler / Börsenhändler?

Börsenhändler werden
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Für den Anfang ist erst einmal wichtig zu klären, wie man überhaupt Börsenmakler werden kann. Seit ich damals als Kind den Film „Wall Street“ gesehen habe, war für mich klar, dass ich Börsenhändler werden möchte. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte ich mich persönlich für den Weg einer klassischen Berufsausbildung entschieden. Im Anschluss an eine reguläre Bankausbildung, sowie zwei Jahre Berufserfahrung als Vermögensberater bei einer Bank mit starkem Fokus auf das Investmentgeschäft, habe ich dann letztendlich den Schritt in Richtung Börsenhandel gewagt.

Um beruflich als Börsenmakler durchzustarten, geht man im Prinzip nicht anders vor, als in jedem anderen Beruf auch. Man bewirbt sich bei einem potentiellen Arbeitgeber. In diesem Fall wäre das eine Bank oder ein Broker. Hat man das Auswahlverfahren erfolgreich überstanden, wird man vom Arbeitgeber bei der Deutschen Börse zur Börsenhändlerprüfung angemeldet. Nun gilt es sich die Theorie anzueignen um dann im Anschluss bei der Deutschen Börse die Prüfung zum Börsenhändler abzulegen. Hat man die Börsenhändlerprüfung erfolgreich bestanden, ist man lizensierter Börsenhändler für die entsprechenden Handelsplätze und darf im Namen der Bank an der Börse agieren.

Zertifikat Börsenhändlerprüfung
Zertifikat über meine bestandene Börsenhändlerprüfung

Es ist grundsätzlich nicht möglich die Börsenhändlerprüfung privat abzulegen, man muss also zwingend von einem Arbeitgeber dafür angemeldet werden. Allerdings ist es natürlich auch jederzeit möglich, eine Tätigkeit als Börsenhändler privat auszuüben. Hierzu ist keine Prüfung notwendig. Man kann als Privatperson selbstverständlich jederzeit Aktien auf eigene Rechnung handeln, mit dem Ziel, durch Kursdifferenzen Geld zu verdienen. Voraussetzung hierfür ist ein großes Interesse an den Kapitalmärkten, entsprechendes Eigenkapital, sowie eiserne Disziplin als auch die nötige Handelserfahrung um dauerhaft an den Märkten überleben zu können.

Voraussetzungen für den Job als Börsenmakler

Voraussetzungen / Beruf Börsenmakler
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Die absolute Grundvoraussetzung für den Beruf als Börsenmakler ist ein ausgeprägtes Interesse an den Kapitalmärkten. Man muss sich für die Börse begeistern können, sowohl beruflich als auch privat. Zudem sind Fähigkeiten wie eine sehr gute Auffassungsgabe, Belastbarkeit sowie eine gewisse Stressresistenz wichtig. Bei der täglichen Arbeit als Börsenhändler geht es nicht selten hektisch zu, und das sollte einen nicht aus der Ruhe bringen.

Die genannten Grundvoraussetzungen sind schon die halbe Miete, denn die entsprechenden Fachkenntnisse kann man sich aneignen. Der Job als Börsenmakler ist an sich in vielen Fällen relativ einfach, auch wenn es gerade an hektischen Tagen stressig und recht turbulent zugehen kann. Man sitzt als Aktienhändler im Prinzip den ganzen Tag vor 4–8 Monitoren und handelt Orders durch, in der Regel mehrere Orders parallel. Trotzdem ist das recht stupide.

Gerade im institutionellen Aktienhandel können die Ordertickets recht groß sein. Man darf daher keine Angst vor großen Zahlen bzw. Summen haben. Sprich, wenn man als Aktienhändler auf einen Schlag Orders über 100k Daimler, 40k Allianz, 10k Salzgitter und 25k Fresenius auf den Tisch bekommt, muss man einen kühlen Kopf bewahren, auch wenn man damit die Verantwortung über mehrere Millionen € trägt und währenddessen vielleicht auch schon 3–4 andere Orders parallel abarbeitet. Es gilt stets den Überblick zu bewahren, denn Fehler können schnell teuer werden.

Tätigkeitsfelder als Börsenhändler

Börsenmakler / Tradingdesk
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Der Beruf des Börsenmaklers kann sehr vielseitig sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten um als Börsenhändler an den Finanzmärkten zu agieren. Man kann beispielsweise direkt auf dem Börsenparkett arbeiten, und als Market Maker oder Skontroführer fungieren und dabei Börsenkurse stellen. Oder man arbeitet als Händler im institutionellen Bereich und betreut institutionelle Kunden. Man kann auch als Retail-Trader bei einer Bank bzw. einem Broker arbeiten und dabei als Händler die Orders von Privatanlegern an der Börse platzieren. Eine weitere Möglichkeit wäre als Eigenhändler bei einer Bank zu arbeiten oder den Börsenhandel privat auf eigene Rechnung zu betreiben.

Der Eigenhandel an der Börse kann allerdings relativ herausfordernd sein, insbesondere wenn versucht wird, kurzfristige Kursschwankungen auszunutzen. Heutzutage sind kurzfristige Kursschwankungen an der Börse stark von Algorithmen und elektronischen Handelssystemen getrieben, was teils zu starken und recht irrationalen Kursbewegungen führen kann. Insbesondere Privatanleger, die mit dem kurzfristigen Börsenhandel Geld verdienen möchten, haben es in der Regel schwer. Studien zufolge verlieren bis zu 98% der privaten Daytrader auf Dauer Geld.

Wer also privat den Weg als Daytrader einschlagen möchte, der sollte sich das gut überlegen und abwägen, ob es nicht sinnvoller wäre, stattdessen langfristig an der Börse zu investieren. Mit einem entsprechend langen Anlagehorizont von mindestens 5-10 Jahren kann das historisch betrachtet zweifellos zu attraktiven Renditen führen.

Wie ist es als Börsenmakler zu arbeiten?

Erfahrungen als Börsenmakler
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Entscheidet man sich für den Beruf Börsenmakler, so gibt es wie erwähnt, verschiedene Tätigkeitsfelder und Einsatzmöglichkeiten. Während meiner aktiven Zeit als Börsenhändler war ich die meiste Zeit als Aktienhändler im institutionellen Aktienhandel bei Wertpapierhandelsbanken tätig. Das bedeutet, man sitzt als Aktienhändler bei einer Bank oder einem Broker am Trading Desk und arbeitet Wertpapierorders ab. Die Kunden sind in der Regel Vermögensverwalter, Versicherungen, Pensionskassen, KAGs oder andere Banken.

Bei den Ordertickets im institutionellen Aktienhandel handelt es sich in der Regel um größere Aktienorders (z.B. 100.000 Daimler Aktien) die oftmals auf Basis des Handelsvolumens an der Börse durchgehandelt werden (z.B. 1/3 oder 1/4 Volumen) oder auch i.W. (Interessewahrend) über den Tag. Wir haben damals zu meiner Zeit die Orders noch alle selbst manuell gehandelt und der Kunde wurde oftmals zum VWAP (Volume Weighted Average Price) abgerechnet. War man als Händler besser als der VWAP, hat die Firma zusätzlich zur Courtage an der Order Geld verdient. War man als Händler schlechter als der VWAP, hat man ggf. an einer Order Geld verloren.

Aufgrund der technologischen Entwicklung an den Finanzmärkten und zahlreicher Regulierungen, werden Orders heutzutage in der Regel vollautomatisch von Algos (Computersystemen) gehandelt und von Händlern nur noch „überwacht“. Das hat sicherlich auch das Profil und den Schwierigkeitsgrad des Jobs verändert. War es damals wichtig, dass man hungrig, stress-resistent und pfiffig war, zählen heutzutage in der Regel eher IT-Skills und analytisches Denken. Das führt auch dazu, dass der Beruf Börsenmakler immer mehr automatisiert und voraussichtlich auf Dauer verschwinden wird. Das ist aus nostalgischen Gründen zwar schade, aber unausweichlich.

Wie viel Geld verdient man als Börsenhändler?

Gehalt als Börsenhändler
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Jetzt kommen wir zu einem Punkt, der vermutlich für die meisten Leser am interessantesten ist. Was verdient ein Börsenmakler eigentlich? Grundsätzlich kann man festhalten, dass um den Verdienst an der Börse teilweise recht lustige Mythen im Umlauf sind. Das ist nicht zuletzt diversen Filmen über Börsenmakler geschuldet, die einiges doch etwas überdramatisieren. Auch wenn die Gehälter und Boni für Börsenhändler in den letzten Jahren gesunken sind, so lässt sich damit auch heute noch ein sehr komfortables Leben führen.

In meinem ersten Jahr als Junior Trader habe ich inkl. Boni etwas mehr als 100.000 € verdient. Dieses Einkommen hat sich dann im Laufe der Jahre stetig gesteigert, insbesondere durch Beförderungen und steigende Boni. Zu meiner Zeit haben Börsenhändler selten unter 100.000 € im Jahr verdient. Es kommt aber darauf an, bei welcher Firma man arbeitet und wo man ansässig ist. Börsenhändler in Metropolen wie Frankfurt, London oder New York konnten damals nicht selten im mittleren 6-stelligen bis 7-stelligen Bereich pro Jahr verdienen, je nach Position und Leistung.

Das alles hat sich nach der Finanzkrise aber geändert und insbesondere die Boni wurden teilweise stark gekürzt. Es ist zwar so, dass man als Börsenhändler bei entsprechender Leistung weiterhin im 6-stelligen Bereich verdienen kann, selbstverständlich ist das aber nicht mehr, insbesondere am Anfang. Hinzu kommt, dass sich das Berufsbild aufgrund der Automatisierung stark gewandelt hat und heute manchmal eher IT-Experten, Statistiker oder Mathematiker gesucht werden. Die Gehälter orientieren sich dabei auch nicht selten an der IT-Branche, mit einer Boni-Komponente.

Was machen Börsenmakler in ihrer Freizeit?

Börsenmakler in der Freizeit
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Bei Quora bin ich vor einiger Zeit auf die Frage gestoßen: „Was machen eigentlich Börsenmakler in ihrer Freizeit?“. Ich fand das recht amüsant, da die Frage impliziert, dass Börsenmakler zwingend ein ungewöhnliches Leben führen. Die Antwort wird jetzt weniger spektakulär werden, denn letztendlich sind Börsenhändler ganz normale Menschen, wie jeder andere auch. Sowohl ich, als auch die meisten meiner ehemaligen Kollegen, haben ein ganz normales Leben mit Familie, Hobbys, Sport, etc. geführt. Es kam vor, dass der eine oder andere vielleicht einen Sportwagen fuhr, eine teure Uhr getragen hatte oder exklusive Reiseziele bevorzugte, aber das war es dann oftmals schon.

Das was in vielen Filmen wie Wall Street, Boiler Room, oder auch Wolf of Wall Street zu sehen ist, sind Dinge, die sich in den wilden Börsenjahren (80er) abgespielt haben. Solche Exzesse gab es zwar hauptsächlich in den USA, obwohl auch in Deutschland die 80er Jahre an der Börse eher Wilder Westen waren. Da gab es durchaus den einen oder anderen, der aufgrund der massiven Geldströme (in die eigene Tasche) ein Leben in Saus und Braus geführt hatte.

Die Arbeit als Börsenmakler kann aber recht fordernd sein. Zumindest war es zu meiner Zeit so, denn heutzutage wird das Ordervolumen größtenteils voll elektronisch über algorithmische Handelssysteme abgewickelt. Insbesondere in hektischen Marktphasen gilt es als Händler einen kühlen Kopf zu bewahren und das erfordert Fokus und Konzentrationsfähigkeit. Man arbeitet als Börsenhändler oftmals an mehreren Wertpapierorders gleichzeitig und man sollte sich da keine größeren Fehler erlauben, denn das kann teuer werden. Daher ist es zwingend erforderlich, ausgeruht und fit zur Arbeit zu erscheinen, was an sich schon einem ungewöhnlichen Lebensstil widerspricht.

Fazit: Lohnt sich der Beruf Börsenmakler?

Die Börse strahlt auf viele Menschen eine gewisse Anziehungskraft aus und der Beruf Börsenmakler hat definitiv nicht seinen Reiz verloren. Er bietet ein abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld mit sehr guten Verdienstmöglichkeiten. Allerdings ist die gesamte Finanzbranche im Wandel und die Automatisierung schreitet auch im Börsenhandel stark voran. Das Profil des Börsenhändlers ändert sich und entwickelt sich immer mehr in Richtung IT-Experte.

Heutzutage übernehmen elektronische Handelssysteme und Algorithmen einen Großteil der Handelstätigkeit und die Aufgabe der Händler ist diese Systeme zu überwachen, zu pflegen und weiterzuentwickeln. Dadurch entsteht ein anderes Anforderungsprofil und insbesondere für IT-Experten, Statistiker und Mathematiker bietet das Börsenumfeld interessante Tätigkeitsfelder, ein entsprechendes Interesse an den Kapitalmärkten vorausgesetzt.

Über Michael Hebenstreit
Michael ist Investment-Experte, digitaler Unternehmer und ehemaliger Börsenhändler mit über 22 Jahren Investment-Erfahrung sowie langjähriger Erfahrung im professionellen Aktienhandel. Auf InvestOpen teilt er seine persönlichen Erfahrungen als Unternehmer, seine Anlagestrategie und Investmentideen.

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