Auf fallende Kurse setzen – Wie man mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen kann

Finanzinstrumente zur Portfolioabsicherung um mit fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen

Historisch betrachtet werfen Aktien im Schnitt zwischen 6-8% Rendite pro Jahr ab. Damit sind Aktien langfristig die lukrativste Anlageklasse. Das bedeutet allerdings nicht, dass Aktien immer steigen und es an der Börse nicht auch abwärts gehen kann. An der Börse kommt es in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu kleinen und größeren Korrekturen oder gar einem Börsencrash. Man kann sich als Anleger jedoch gegen Phasen der Unsicherheit schützen und ein Portfolio absichern. Es gibt Möglichkeiten, wie man mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen kann.

Auf fallende Kurse setzen
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Wer als Anleger mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen möchte, dem stehen verschiedene Strategien und Anlageinstrumente zur Verfügung. Die einzelnen Strategien weisen jedoch unterschiedliche Risikoprofile auf, und nicht jede Strategie, um an der Börse auf fallende Kurse zu setzen, ist für jeden Anlegertyp geeignet. In diesem Beitrag möchte ich die gängigsten Methoden aufzeigen, wie man mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen kann.

Short Selling / Leerverkauf von Aktien

Short Selling / Durch Leerverkauf mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen
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Mit Aktien Geld verdienen, geht nicht nur bei steigenden Kursen. Eine der einfachsten Möglichkeiten, um an fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen, ist der Leerverkauf von Aktien (engl. Short Selling). Dabei verkaufen Anleger Aktien, die sie gar nicht besitzen, um diese dann, nachdem der Kurs gefallen ist, günstiger zurückzukaufen. Es handelt sich dabei um einen Vorgang, der nicht nur zur Portfolioabsicherung genutzt, sondern auch im aktiven Trading (z.B. beim Daytrading) eingesetzt wird. Doch wie kommt ein Anleger an Aktien für einen Leerverkauf?

Glücklicherweise gibt es Broker, die den Leerverkauf von Aktien ermöglichen. Allerdings ist der Leerverkauf von Aktien bei den meisten deutschen Online-Brokern nicht möglich. Es gibt jedoch zahlreiche Broker in den USA oder im EU-Ausland (z.B. Interactive Brokers) bei denen Short Selling problemlos möglich ist. Dabei werden Aktien aus den Aktiendepots von anderen Anlegern gegen eine Gebühr ausgeliehen und den Leerverkäufern zur Verfügung gestellt.

Aktienkurse können allerdings unbegrenzt steigen und steigende Aktienkurse führen zu Verlusten für Short Seller. Obwohl es an den Finanzmärkten immer wieder Turbulenzen gibt, entwickeln sich Aktienmärkte langfristig positiv. Wer Leerverkäufe von Aktien tätigen möchte, sollte sich dem Risiko bewusst sein, dass dieser Vorgang, zumindest theoretisch, zu unbegrenzten Verlusten führen kann. Der Leerverkauf von Aktien sollte daher strikt überwacht und zeitlich begrenzt sein. Möchte man auf fallende Kurse setzen, kann man so an fallenden Aktienkursen Geld verdienen.

Mit Optionen auf fallende Kurse setzen

Optionen - Puts / Calls
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Wer als Anleger statt auf Aktien, lieber auf Optionen setzen möchte, der kann auch mit Optionsgeschäften an fallenden Aktienkursen Geld verdienen. Eine Option ist das Recht, eine bestimmte Aktie, zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Für dieses Recht zahlt der Käufer einer Option eine Optionsprämie an den Verkäufer. Es gibt im Prinzip zwei Arten von Optionen:

  • Call Option: Das Recht Aktien, zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen.
  • Put Option: Das Recht Aktien, zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen.

Um mit Optionen auf fallende Aktienkurse zu setzen, kauft man als Anleger beispielsweise eine Put Option auf eine Aktie. Fällt der Aktienkurs wie erwartet, steigt der Wert der Put Option und man kann diese in der Regel gewinnbringend verkaufen. Der Preis einer Option (Optionsprämie) wird allerdings von diversen Faktoren beeinflusst und insbesondere auch der Zeithorizont (Zeitwert) spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Stillhalter / Mit Optionen auf fallende Kurse setzen
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Man kann Optionen auch short gehen. Dabei verkauft (schreibt) man als Stillhalter beispielsweise eine Call Option und erhält im Gegenzug vom Käufer die Optionsprämie. Fällt der Aktienkurs wie erwartet, dann fällt auch der Wert der Call Option und der Käufer wird die Option nicht ausüben. Als Stillhalter kann man die Option dann entweder günstiger zurückkaufen, und so einen Gewinn realisieren, oder warten bis die Option am Verfallstag wertlos verfällt.

Als Stillhalter bei Optionsgeschäften, besteht jedoch auch immer das Risiko, dass der Käufer die Option ausübt. Wurde beispielsweise eine Call Option verkauft und der Aktienkurs fällt nicht wie erwartet, wird der Käufer die Option ausüben, sofern dies zu einem Gewinn für ihn führt. Der Stillhalter muss in diesem Fall eine gewisse Anzahl an Aktien (i.d.R. 100 Aktien / Optionskontrakt) zum vorher festgelegten Preis an den Käufer liefern. Hat man diese Aktien nicht bereits im Depot, dann müssen die Aktien unter Umständen erst teuer an der Börse gekauft werden. Diese Risiken als Stillhalter kann man jedoch durch gedeckte Optionsgeschäfte (Covered Calls / Cash-covered Puts) reduzieren.

Optionsscheine / Zertifikate

Emittenten / Optionsscheine
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Neben den regulären Optionen, die an einer Terminbörse gehandelt werden (z.B. Eurex), gibt es auch unzählige Optionsscheine und Zertifikate, die über die Börse oder außerbörsliche Handelsplätze gehandelt werden. Bei Optionsscheinen handelt es sich letztendlich um verbriefte Optionen, die von einem Emittenten herausgegeben werden. Im Gegensatz zu regulären Optionen, gibt es bei Optionsscheinen keine Abnahme- bzw. Lieferverpflichtungen von Aktien. Man kann Optionsscheine auch nur kaufen und diese nicht short gehen.

Wie bei regulären Optionen an einer Terminbörse, gibt es bei Optionsscheinen auch Puts und Calls. Möchte man also mit einem Optionsschein auf fallende Kurse setzen, so kann man einen Put auf eine Aktie kaufen. Fällt der Aktienkurs wie erwartet, steigt der Kurs des Put Optionsscheins und dieser kann mit Gewinn verkauft werden. Trifft die Annahme nicht ein, und der Aktienkurs entwickelt sich gegenteilig, verfällt der Optionsschein am Verfallstag oftmals wertlos.

Auch Optionsscheine sind mit Risiken verbunden. Allerdings kann man mit Optionsscheinen maximal das eingesetzte Kapital verlieren. Es gibt also kein unbegrenztes Verlustrisiko wie bei Optionen an der Terminbörse. Allerdings hat man es bei Optionsscheinen mit strukturierten Produkten zu tun, die von einem Emittenten herausgegeben werden. Es gibt demnach ein Emittentenrisiko. Die Emittenten von Optionsscheinen sind in der Regel Investmentbanken. Geht ein Emittent in Konkurs, ist das investierte Kapital in Gefahr. Es kommt auch nicht selten vor, dass Optionsscheine, insbesondere während volatilen Marktphasen, beim Emittenten vorübergehend nicht handelbar sind.

Inverse ETFs

Inverse ETFs / Mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen
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Wer mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen möchte, der kann auch auf ETFs (Exchange Traded Funds) zurückgreifen. Die meisten ETFs sind klassische Index-Produkte oder Aktienbaskets, mit denen Anleger an steigenden Aktienmärkten partizipieren können. Es gibt jedoch auch ETFs, um auf fallende Kurse zu setzen. Hierbei handelt es sich um sogenannte inverse ETFs, die im Unterschied zu normalen ETFs, im Wert steigen, wenn die Aktienkurse fallen.

Kauft man beispielsweise einen inversen ETF auf den DAX und der Index fällt um 1%, dann steigt der inverse DAX ETF in der Regel um rund 1%. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es aufgrund der komplexen Konstruktionsweise solcher inversen ETFs zu teils deutlichen Abweichungen kommen kann, insbesondere bei längerer Haltedauer. Das Verhalten von inversen ETFs wird nämlich nicht durch den Leerverkauf von Aktien erreicht, sondern mit Hilfe von Derivaten modelliert, was ein recht komplexer Vorgang ist und es dadurch zu Abweichungen kommen kann.

Fazit: Mit fallenden Aktienkursen Geld verdienen

Möchte man als Anleger auf fallende Kurse setzen, so stehen eine Vielzahl an Strategien und Finanzinstrumenten zur Verfügung. Da Aktienmärkte langfristig jedoch eher steigen als fallen, gilt es hierbei immer das entsprechende Chance-Risiko-Verhältnis zu beachten. Strategien um mit fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen, sind daher eher als zeitlich begrenzte Absicherungsstrategie für ein Portfolio geeignet und nicht als langfristige Geldanlage.

Neben den genannten Möglichkeiten, um an fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen, gibt es noch zahlreiche andere Anlageformen und Finanzinstrumente, die im Kurs steigen können, wenn Aktienkurse fallen. Dazu gehören beispielsweise Hedgefonds, Finanzinstrumente wie der VIX (Volatility Index), sowie sichere Häfen wie Gold oder andere unkorrelierte Assets wie Bitcoin. Obwohl Kryptowährungen derzeit eher mit den Aktienmärkten korrelieren.

Über Michael Hebenstreit
Michael ist Investment-Experte, digitaler Unternehmer und ehemaliger Börsenhändler mit über 22 Jahren Investment-Erfahrung sowie langjähriger Erfahrung im professionellen Aktienhandel. Auf InvestOpen teilt er seine persönlichen Erfahrungen als Unternehmer, seine Anlagestrategie und Investmentideen.

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